Wenn Innovationen für Menschen mit Behinderungen unseren Alltag verändern

Im Bereich des Designs (ob materiell, architektonisch oder digital) wird Barrierefreiheit häufig als regulatorische Verpflichtung wahrgenommen.
Doch oft entstehen Innovationen, die unser tägliches Leben verbessern, indem man von den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen ausgeht.
Dieses Phänomen, das als „Curb Cut“-Effekt bekannt ist, zeigt, wie Lösungen, die auf Probleme im Zusammenhang mit Behinderungen abzielen, zu universellen Standards werden und unser tägliches Leben weit über die ursprünglichen Absichten hinaus verändern.

Der Bordsteinkanteneffekt: Wenn Barrierefreiheit allen zugutekommt


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Thermalbäder "Bordsteinschnitt" Der Begriff „Rampen“ stammt von den kleinen Rampen, die seit den 1960er und 70er Jahren in Bürgersteige eingebaut wurden. Ursprünglich wurden sie entwickelt, um Rollstühlen die Durchfahrt zu erleichtern. Heute werden diese Rampen von Radfahrern, Eltern mit Kinderwagen, Reisenden mit Koffern und vielen anderen genutzt.
Zusammen mit dem Bau von Zugangsrampen sind dies emblematische Beispiele für Innovationen, die ursprünglich für die Barrierefreiheit entwickelt wurden, sich aber als Annehmlichkeit für alle erwiesen haben.

Natürlich ist der Bordsteinkanteneffekt damit nicht zu Ende: Es gibt noch viele weitere Innovationen, die für Menschen mit Behinderungen entwickelt wurden, aber in unserem täglichen Leben Anwendung finden.

Erfindungen für die Barrierefreiheit, die von allen übernommen werden

  • Elektrische Zahnbürsten

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Sie wurden in den 1950er Jahren erfunden und dienten zunächst der Unterstützung von Menschen mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten oder Greifschwierigkeiten, bevor sie sich einer breiteren Beliebtheit erfreuten. Heute 27 % der Franzosen Verwenden Sie eine elektrische Zahnbürste anstelle einer Handzahnbürste.
Quelle: dental365

 

  • Klettverschluss

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Klettverschlüsse wurden 1941 vom Schweizer Ingenieur Georges de Mestral erfunden, nachdem er beobachtet hatte, wie Klettenhaken an seiner Kleidung und dem Fell seines Hundes haften blieben. Ursprünglich war der Klettverschluss nicht für Barrierefreiheit gedacht. Er fand jedoch schnell Anwendung in der Medizin und Rehabilitation, bevor er sich zu einem wertvollen Hilfsmittel für Menschen mit motorischen Schwierigkeiten entwickelte. Heute wird er überall verwendet, von Kinderschuhen über Sportgeräte bis hin zu Alltagskleidung und Accessoires.

 

  • Hörbücher

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Hörbücher wurden in den 1930er und 40er Jahren für blinde oder sehbehinderte Menschen entwickelt und werden heute häufig zur Unterhaltung oder zum Multitasking-Lernen verwendet.
Zwischen 2019 und 2022 machen Hörbücher in den Vereinigten Staaten fast 20% des Buchmarktes und in der Nähe 12% der französischen Bevölkerung hat bereits ein Hörbuch gehört.
Quelle: Libranova

 

  • Die automatischen Türen

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Automatische Türen wurden in den 1950er Jahren von Dee Horton und Lew Hewitt eingeführt und sollten ursprünglich die Fortbewegung in belebten Bereichen erleichtern und Kollisionen mit Schwingtüren verhindern. Später wurden sie weithin für die Barrierefreiheit eingesetzt, insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, bevor sie sich in Einkaufszentren, Krankenhäusern und im öffentlichen Nahverkehr etablierten.

 

  • Untertitel

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Untertitel wurden ursprünglich erfunden, um Video- oder Audioinhalte für gehörlose oder schwerhörige Menschen zugänglich zu machen. Heute sind Untertitel weit verbreitet, insbesondere beim Telefonieren in öffentlichen Verkehrsmitteln, um Videos in Ruhe anzusehen.

 

  • Sprachführung im Transportwesen

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Audiodurchsagen wurden speziell für blinde Menschen entwickelt und erleichtern auch Touristen und Gelegenheitsnutzern die Orientierung. Besonders praktisch ist das, wenn U-Bahn, Straßenbahn oder Bus überfüllt sind und man den Namen der Haltestelle durch das Fenster nicht erkennen kann.

 

  • Ergonomische Tastaturen und Mäuse

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Diese ergonomischen Hilfsmittel wurden entwickelt, um Ermüdungserscheinungen vorzubeugen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu helfen. Sie werden zunehmend auch im Berufsleben von Menschen eingesetzt, die täglich am Computer arbeiten. Ihr Design fördert eine natürlichere Körperhaltung, verringert die Ermüdung und beugt Muskel-Skelett-Erkrankungen wie dem Karpaltunnelsyndrom vor.

  • Automatische Spracherkennungssysteme

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Wenn Sie „OK Google“ sagen und Ihr intelligenter Lautsprecher sofort reagiert, verdanken Sie dies der Erfindung der automatischen Spracherkennung, oft auch „Stimmerkennung“ genannt. Ursprünglich für Menschen mit eingeschränkter Mobilität entwickelt, hat sich die Spracherkennung durch persönliche Assistenten wie Siri, Alexa und Google immer weiter verbreitet. Sie ermöglichen schnelleres Schreiben, freihändiges Arbeiten und reduzieren die Ermüdung beim Tippen.

Zugänglichkeit, ein wesentlicher Hebel im UI/UX-Design

Ob im Alltag oder im digitalen Design: Die Integration von Barrierefreiheit bereits in der Designphase ist ein wesentlicher Ansatz. Schnittstellen mit angemessenem Kontrast, klarer Navigation, lesbaren Schriftarten oder Sprachhilfen erleichtern Menschen mit Seh-, Hör- oder motorischen Einschränkungen die Nutzung eines Produkts oder einer Dienstleistung.

Dieser Ansatz kommt jedoch nicht nur einer bestimmten Gruppe zugute: Er verbessert Benutzererlebnis für alle, indem wir Schnittstellen intuitiver, flexibler und inklusiver gestalten. In diesem Sinne Barrierefreiheit ist echt Innovationsmotor im UI/UX-Design, was uns dazu antreibt, uns immer kreativere und effizientere Lösungen auszudenken, die allen zugute kommen.

Wenn Sie das nächste Mal eine Rampe überqueren, eine automatische Tür benutzen, ein Hörbuch hören oder eine inklusive App durchsuchen, denken Sie daran, dass diese Innovationen aus dem Bedürfnis nach Barrierefreiheit entstanden sind, aber das Leben für alle einfacher machen.

 

 


Amélie Cordier
UX/UI-Designer bei UX-Republic