WOW – Ein bewährter und perfektionierter Designprozess Teil 1 – Die Vorteile von UX-Design für Projekte | HPE Developer Portal
In den letzten Jahren ist das Wort „WOW“ in fast jedem digitalen Briefing aufgetaucht. „Wir wollen eine Website, die Eindruck macht“, „etwas Modernes“, „einen Wow-Effekt vom ersten Moment an“. Die ursprüngliche Absicht – Eindruck zu machen, aufzufallen und Emotionen zu wecken – ist zwar nicht schlecht, doch aus UX-Sicht stellt sich oft die Frage: Welchen Zweck erfüllt sie genau?
Der Wow-Effekt als neues Versprechen des Designs
Heutzutage sehen alle Benutzeroberflächen gleich aus, und Trends verfliegen schnell. Design wird so zum bloßen Mittel der Verführung: Animationen, narrative Scroll-Effekte und Mikrointeraktionen haben Vorrang vor Funktionalität. Am Ende bewundern wir die Website mehr, als dass wir sie nutzen.
Design hat schon immer eine emotionale Rolle gespielt, was an sich kein Problem darstellt. Der Wandel findet jedoch statt, wenn …Der visuelle Effekt wird zum HauptzielUnd nicht länger das Mittel. Wir versuchen nicht länger, ein Bedürfnis zu befriedigen, sondern eine Reaktion hervorzurufen. Doch diese Reaktion, so stark sie auch sein mag, garantiert weder Verständnis noch Unterstützung noch Nutzen.
Wenn der Schein Vorrang vor der Funktion hat
In der Praxis sind die Anzeichen oft dieselben: Nutzer, die nicht wissen, wo sie klicken sollen, einfache Navigationspfade, die verwirrend werden, oder Informationen, die hinter Effekten versteckt sind. Das Ergebnis? Websites, die zwar „schön“ aussehen, aber ermüdend zu bedienen sind.
„Der Wow-Effekt erregt Aufmerksamkeit, lenkt sie aber nicht immer. Er kann beeindrucken … und dann Frustration auslösen.“
In solchen Situationen wird UX manchmal auf eine rein dekorative Rolle reduziert: Es geht darum, das bereits Entschiedene optisch ansprechend zu gestalten, anstatt den Inhalt zu hinterfragen. Nutzertests werden optional Aus Angst, den Effekt zu „ruinieren“, wird das Feedback aus der Praxis nicht immer berücksichtigt. Dabei beginnt das eigentliche Erlebnis erst nach dem ersten Blick.
Beispiel: Apple, wenn WOW die Objektivgeschwindigkeit reduziert.
apple.com
Apples Produktseiten sind wahre Paradebeispiele für gelungenes UI-Design: flüssige Animationen, meisterhaftes Storytelling, makellose Präsentation. Das Scrollen wird so zum Erlebnis.
Doch in Wirklichkeit lesen viele Nutzer nicht. Sie suchen nach einem Orientierungspunkt, einem Button, einer Möglichkeit, zum Seitenende zu gelangen und ihr Produkt auszuwählen. Visuelles Storytelling, das darauf abzielt, Begehren zu wecken, wird manchmal zum Hindernis, wenn die Absicht bereits klar ist. Das ist ein häufiges Spannungsverhältnis im UX-Bereich: Der WOW-Effekt erregt Aufmerksamkeit, aber passt sich nicht immer dem unmittelbaren Ziel an des Benutzers.
Was wir vergessen, wenn wir uns zu sehr bemühen, zu beeindrucken
Für den Benutzer muss eine Benutzeroberfläche nicht einprägsam sein, um effektiv zu sein: Sie muss lediglich intuitiv bedienbar sein. verständlich, beruhigend und fließendWenn es einwandfrei funktioniert, bemerkt man es kaum.
Aus Markensicht ist das Risiko real: Eine schwer zu bedienende Website schadet der Glaubwürdigkeit, bremst die Akzeptanz und führt zur Abwanderung, selbst wenn sie ästhetisch ansprechend ist. Der Wow-Effekt verpufft so wirkungslos: beeindruckend, aber flüchtig. Für die Teams erzeugt dieses Ungleichgewicht eine stille Frustration: Sie wissen, dass etwas nicht funktioniert, können dies aber nicht immer ansprechen.
Ästhetik und Funktionalität in Einklang bringen
WOW und UX gegeneinander auszuspielen, wäre ein Fehler. Die Herausforderung besteht darin, beides miteinander zu vereinen. Nutzerzentrierte Methoden ermöglichen es, die tatsächlichen Erwartungen zu verstehen, zu testen und anzupassen.
Ziel ist es nicht, die Schnittstellen zu glätten, sondern sicherzustellen, dass Jede Entscheidung ist sinnvollEine Animation kann das Verständnis fördern, eine Inszenierung eine Botschaft unterstreichen und eine Emotion eine Reise begleiten. Der Unterschied liegt in der Intention. Wenn Design einem klaren Zweck dient, wird Emotion zum Hebel und nicht zum Nebelkerzen. Der eigentliche WOW-Effekt tritt dann später ein: wenn der Nutzer zurückkommt, das Produkt weiterempfiehlt und es übernimmt.
Beispiel: Stripe, wenn WOW der UX dient
Stripe.com
Im Gegensatz dazu bietet Stripe ein starkes visuelles Universum: subtile Animationen, ausgefeilte Illustrationen, elegante Übergänge, aber der WOW-Effekt bleibt dezent und kontrolliert.
Der Unterschied liegt in der Nutzerführung: Schon auf den ersten Bildschirmen versteht der Nutzer, was der Dienst leistet, für wen er gedacht ist und welche Schritte erforderlich sind. Visuelles Storytelling fördert das Verständnis, ohne den Informationszugriff zu verlangsamen. Hier lenkt die Ästhetik nicht vom Ziel ab. Es stärkt es.
Die Rolle des UX-Designers bei der Suche nach dem WOW-Erlebnis
In diesem Kontext sollte der UX-Designer den „Wow“-Effekt nicht ablehnen, sondern ihn hinterfragen. Es geht darum, eine vage Anfrage in ein konkretes Ziel zu verwandeln, Nuancen hinzuzufügen und die Nutzer zum Sprechen zu animieren, um Subjektivität zu überwinden. Es geht darum, die Einschränkungen und Herausforderungen der Marke zu akzeptieren, um …Ausgewogenheit zwischen dem Wunsch nach Differenzierung und der Realität der Nutzung.
Fazit: Eine Neudefinition des wahren WOW-Effekts
Was wäre, wenn der wahre Wow-Effekt nicht derjenige wäre, der beim ersten Scrollen beeindruckt, sondern derjenige, der keiner Erklärung bedarf? Eine Website, die mühelos verständlich ist, bei der die Navigation natürlich verläuft und die Benutzeroberfläche dem Inhalt Platz macht.
In einer Welt voller Reize, Einfachheit wird beinahe radikalUX, diskret, aber unerlässlich, bleibt einer der besten Wege, dies zu erreichen.
Möchten Sie tiefer in dieses Thema eintauchen? Dann lesen Sie unsere anderen Artikel im UX-Republic-Blog, zum Beispiel unsere Analyse zu Tamagotchi und emotionales UX-Design.
Axelle Hervé, Produkt- und Forschungsdesigner


