Ein ehemaliger Klassenkamerad, heute ein Kollege, machte mich mit Penpot bekannt und präsentierte es als ernsthaften Konkurrenten von Figma. Ist die Abhängigkeit von proprietären Tools wie Figma im Design-Ökosystem unvermeidlich? Diese Frage hat mich dazu veranlasst, diese Alternative zu untersuchen, um einen detaillierten Vergleich anzustellen.
Was ist Penpot?
Penpot entstand 2017 aus einer Community-Logik, die Wert auf Transparenz legt, und wurde 2020 in der öffentlichen Betaversion veröffentlicht. Seine Mission ist es, eine solide Brücke zwischen Designern und Entwicklern zu bauen, indem es sich nativ auf Webstandards (SVG, CSS, HTML). Dieser Ansatz zielt darauf ab, die Lücke zwischen Design und Code zu minimieren, was die Übergabe an die Entwicklungsteams erheblich erleichtert.
Was bringt Penpot konkret noch mehr?
a. Kostenloses Angebot und Kostenkontrolle
Angesichts der steigenden Preise von Figma ist das kostenlose Angebot von Penpot ein überzeugendes Argument. Das Modell basiert auf drei flexiblen Abonnements, die eine Kostenkontrolle gewährleisten:
- Professioneller Plan (kostenlos): Unbegrenzte Dateien und Projekte, Zugriff auf das Plugin-Ökosystem, bis zu 8 Mitglieder und 10 GB Speicherplatz.
- Unbegrenzter Plan (7 $/Monat): Behält die Vorteile des kostenlosen Plans mit unbegrenzten Teams und einer monatlichen Rechnung von maximal 175 $ bei, unabhängig von der Anzahl der Benutzer.
- Businessplan (950 $/Monat): Die All-in-One-Lösung mit unbegrenztem Speicherplatz und vorrangigem Zugriff auf neue Funktionen.
b. Datenkontrolle und -souveränität
Der selbsthostende und Open-Source-Charakter von Penpot ist ein großer Vorteil gegenüber Tools wie Figma. Während die Migration von Figma komplex ist und zu Datenverlust führen kann, garantiert Penpot die langfristige Nachhaltigkeit Ihrer Projekte dank der Verwendung stabiler und universeller Webstandards. Ein echter Vorteil gegenüber Lieferantenbindung.
c. Eine natürlich bevorzugte Übergabe
Die Funktionen von Penpot sind darauf ausgelegt, Übergaben zu vereinfachen. Das Tool basiert auf einer codeähnlichen Logik. So ist beispielsweise das Layoutsystem direkt von Webstandards inspiriert (Flexibles Layout et Raster-Layout), im Gegensatz zum automatischen Layout von Figma.
Der große Vorteil ist, dass man Fehler leicht beheben kann, ohne alles zerstören zu müssen. Zwar brauchte ich zunächst ein paar Tutorials, um die Logik zu verstehen, aber sobald ich den Dreh raus hatte, ist Penpot letztendlich einfacher zu bedienen. Als Bonus ist der generierte Code so sauber, dass man ihn direkt verwenden kann.
Was fehlt Penpot noch, wenn man von Figma kommt?
a. Benutzererfahrung und Reife
Obwohl die Benutzeroberfläche der von Figma sehr ähnlich ist, wodurch man sich nicht verloren fühlt, zeigt das Tool dennoch eine gewisse Jugendlichkeit:
- Lernkurve: Um Plugins hinzuzufügen oder das Layout zu verstehen, müssen Sie die Dokumentation und Tutorials konsultieren.
- Merkmale: Das Plugin-Ökosystem ist noch nicht so robust wie das der Konkurrenz und Prototyping-Tools bieten auch weniger Flexibilität beim Entwerfen komplexer, flüssiger Animationen.
Das Team arbeitet unermüdlich an der Verbesserung der Funktionen und wird dabei von einer sehr aktiven Open-Source-Community unterstützt, die daran arbeitet, diese Lücke zu schließen.
b. Leistung und Ressourcen
- Leistung: Die Flüssigkeit von Penpot ist im Allgemeinen zuverlässig, das Tool neigt jedoch dazu, langsamer zu werden, sobald eine Datei komplex und groß wird, was bei sehr umfangreichen Projekten problematisch sein kann.
- Ressourcen: Die Community ist aktiv und wächst, bietet jedoch aufgrund ihrer Seniorität noch nicht alle Ressourcen (UI-Kits, Vorlagen) an, die Figma bietet.
Penpot entwickelt sich zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten, der kurzfristig aufholen kann. Die Funktionen sind nicht nur ähnlich, sondern könnten auch die Übergabe zwischen Designern und Entwicklern vereinfachen. Seine wichtigsten Vorteile: seine kostenlose Natur und sein Open-Source-Modell.
Die Roadmap kündigt unter anderem eine Leistungssteigerung, die Integration von KI und ein Backoffice für die Verwaltung großer Organisationen an.
Als Berater von UX-Republic decken sich diese Stärken (kostenlos, Open Source, Handoff) besonders mit unserem Wunsch, pragmatische und offene Lösungen bereitzustellen, die die Kreativität unserer Teams und der unserer Kunden freisetzen.
Jetzt bleibt nur noch, es zu testen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Zeit wird zeigen, ob es ihm gelingt, Figma vom Thron zu stoßen.
Vanessa Pancheco
Produktdesigner bei UX-Republic




